Diabetes News Ausgabe Oktober 2010

Bessere Aussichten auf Schwerbehindertenausweis für Diabetiker

Der Bundesrat hat kürzlich die Voraussetzungen geändert, unter denen Diabetiker einen Schwerbehindertenausweis erhalten können. Ausschlaggebend für die Bewilligung ist jetzt der hohe Therapieaufwand der Betroffenen: Diabetiker gelten nun als schwerbehindert, wenn sie täglich mindestens vier Insulininjektionen benötigen, deren Dosis sie je nach Ernährung, Bewegung und Blutzucker selbst anpassen.
Ein Schwerbehindertenausweis bringt zahlreiche berufliche und finanzielle Vorteile mit sich, etwa den Anspruch auf Zusatzurlaub, besonderen Kündigungsschutz sowie steuerliche Vergünstigungen. Bisher war der Nachweis schwerer Unterzuckerungen notwendig.
Durch die Neuregelung kann nun kein Rückschluss mehr auf die Stoffwechseleinstellung gezogen werden. Damit sind frühere Fallen wie Führerscheinverlust ausgeräumt. Auch standen schwerbehinderte Diabetiker oftmals bei Arbeitgebern unter dem Verdacht, aufgrund häufiger Unterzuckerungen ungeeignet für bestimmte Berufe zu sein.
Den Schwerbehindertenausweis erhalten Sie beim Versorgungsamt. Ein Amtsarzt prüft dort den Grad der Behinderung. Ab einem Grad von 50 % liegt eine Schwerbehinderung vor. Falls die Versorgungsämter nicht der neuen Regelung folgen, sollten Sie Einspruch einlegen.

Diabetiker hinterm Steuer

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass Diabetiker den Führerschein erwerben. Wenn jedoch die Gefahr einer Unterzuckerung besteht, kann es im Straßenverkehr zu Komplikationen kommen. Nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der anderen Verkehrsteilnehmer kann gefährdet werden. Je nachdem, welche Führerscheinklasse man erwerben möchte und ob man Insulin spritzt oder nicht, werden drei Risikogruppen unterschieden:
Risikogruppe 1: Dazu zählen Diabetiker, die mit einer Diät auskommen oder zusätzlich Medikamente einnehmen, die die Insulinresistenz verringern oder die Nährstoffaufnahme verzögern. Sie können ohne Einschränkung am Straßenverkehr teilnehmen.
Risikogruppe 2: Diabetiker, die mit Diät und oralen Antidiabetika vom Sulfonylharnstoff behandelt werden. Bei ihnen besteht selten die Gefahr einer Unterzuckerung. Sie werden zumeist den Anforderungen beim Führen eines Kraftfahrzeugs gerecht. Für die Fahrzeuggruppe 2 muss jedoch ein ärztliches Gutachten vorgelegt werden, das eine gute Stoffwechseleinstellung ohne Unterzuckerungen nachweist.
Risikogruppe 3: Diabetiker, die mit Diät und Insulin behandelt werden. Sie sind immer von einer Unterzuckerung gefährdet. Sie dürfen grundsätzlich Kraftfahrzeuge fahren, vorausgesetzt, sie bemerken eine Über- oder Unterzuckerung und können angemessen darauf reagieren. Voraussetzung hierfür ist die Fähigkeit, den Blutzucker messen zu können.
Grundsätzlich gilt, dass Diabetiker, die nicht zu häufigen oder unkontrollierbaren Unterzuckerungen neigen, alle Fahrzeuge der Klassen A (Motorräder), und A1(Leichtkrafträder), M (Kleinkrafträder), B und BE (PKW bis 7,5 t) sowie L und T (land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen) führen dürfen.

Regelmäßige Herz-Kreislauf-Kontrolle für Diabetike

Diabetiker sind besonders gefährdet, an akuten Gefäßverschlüssen zu sterben, allem voran an einem Herzinfarkt. Diabetiker erkranken sehr häufig an Arteriosklerose (Arterienverkalkung), was das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöht.
Sie sollten darauf achten, dass Ihre Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte so gut wie möglich eingestellt sind. Für die Blutdruckwerte gilt mittlerweile der Orientierungswert 130-139/80-85 mmHg, der HbA1c-Wert sollte unter 6,5 % liegen und der Gesamtcholesterinwert weniger als 200 mg/dl betragen.
Zudem sollten Sie einmal jährlich Ihre Gefäße von einem Arzt untersuchen lassen. Er tastet den Puls an Armen und Beinen ab und hört sie mit dem Stethoskop ab. Auf diese Weise kann er eine Arteriosklerose erkennen. Weitere Gewissheit erlangt er mit einer Ultraschall Doppler-Untersuchung der Bein-Arterien und Elektrokardiogramm (EKG).

Rettung für Ihre Füße: Das Kölner Fußnetz

Bis zu 60.000 Fußamputationen werden pro Jahr vorgenommen, ein Großteil davon an Diabetikern. Ärztliche Netzwerke, die Patienten mit diabetischem Fußsyndrom behandeln, können die Anzahl von Amputationen verringern. Beispielhaft zeigt das Kölner Fußnetz, wie dies funktionieren kann. Der 2003 gegründete Verein organisiert regelmäßige Treffen von mittlerweile 50 Fachärzten zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch. Ziel ist die optimale Versorgung der Patienten.
In einer „roten Mappe“ halten die Ärzte die wesentlichen Daten der Behandlung ihrer Patienten fest. Auf diese Weise dokumentieren sie die Behandlung. Verschiedene Behandlungsarten können damit verglichen werden. Es sollen auch Alternativen zu einer Amputation erforscht werden. Zum Beispiel soll vor einer größeren Amputation ein Röntgenbild der Arterien durchgeführt werden. Es konnte nachgewiesen werden, dass dank dieser Vernetzung eine wesentlich bessere Versorgung der Patienten sowie weniger Amputationen erreicht werden konnten. Aufgrund des großen Erfolges steht das Modell des Kölner Fußnetzes mittlerweile auch Diabetikern in Düsseldorf, Hamburg und der Region Nordrhein zur Verfügung.

Neue Grenzwerte für Gestationsdiabetes

Allen Schwangeren wird zur Frühdiagnose eines Gestationsdiabetes ein oraler Glukosetoleranztest mit 75 Gramm Glukose geraten. Dabei wird zunächst der Nüchternwert gemessen und anschließend der Ein- und Zweistundenwert nach der Glukosebelastung. Die neuen Grenzwerte liegen bei 92, 180 und 153 mg/dl bzw. 5,1, 10,0 und 8,4 mmol/l. Falls der Grenzwert darüber liegt, handelt es sich um einen Gestationsdiabetes. Bei anamnestisch unauffälligen Frauen ist der orale Glukosetoleranztest ein Igel-Angebot.