Diabetes News Ausgabe November 2010

Potenter DPP-4-Hemmer in der Pipeline

Linagliptin sei der bislang potenteste Hemmer des Enzyms Dipetidylpeptidase-4 (DPP-4). Das Produkt – vorgesehen ist der Handelsname Ondero Ò (Boehringer Ingelheim) – könne schon mit einer geringen Dosis von 5 Milligramm die DPP-4 zu 70 bis 80 Prozent hemmen. Zum Vergleich: Sitagliptin wird in einer Dosis von 100 Milligramm und Vildagliptin von zweimal 50 Milligramm täglich eingenommen. Die Bindung von Linagliptin an DPP-4 ist hoch selektiv, die Substanz hemmt DPP-8 und DPP-9 praktisch nicht.

Beim Menschen wurde eine ausgeprägte, lang anhaltende DPP-4-Hemmung nachgewiesen. Die Plasmaspiegel von GLP-1 (Glucagon-like Peptide) steigen in Folge signifikant an. Schon nach vier Wochen Therapie war bei Typ-2-Diabetikern der HbA 1c -Wert im Vergleich zu Placebo signifikant um etwa 0,5 Prozentpunkte gesenkt worden. Zudem werde die Substanz zu 94 Prozent unverändert über die Fäzes ausgeschieden. Daher sei keine Dosisanpassung bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen erforderlich. Auch sei Linagliptin ähnlich gut verträglich wie Placebo. Man rechnet mit einer Markteinführung frühestens 2010.

BZ-Änderungen leicht zu verstehen

Mit OneTouch Ò Vita (LifeScan) gibt es ein neues Blutzuckermesssystem, das speziell auf die Bedürfnisse insulinpflichtiger Typ-2-Diabetiker zugeschnitten ist. Mit der MealMemory-Funktion hilft das Gerät, die Auswirkungen von Mahlzeiten auf den Blutzucker besser zu verstehen. Veränderungen werden sichtbar und können die Motivation stärken, Therapieziele zu erreichen. Große Tasten mit Klickfunktion und das große Display mit gut lesbaren Zahlen sorgen für leichte und sichere Handhabung.

Für die Messung werden lediglich 1 Mikroliter Blut benötigt – die Blutprobe kann von der Fingerbeere, dem Handballen oder dem Unteram entnommen werden. Das Messergebnis liegt nach fünf Sekunden vor, wobei Messungen im Bereich zwischen 20 und 600 mg/dl ( = 1,1 bis 33,3 mmol/l) möglich sind. Das Gerät speichert 350 Testergebnisse mit Datum und Uhrzeit und schaltet sich automatisch zwei Minuten nach der letzten Betätigung ab. Ein weiterer Vorteil: Die OneTouch Vita Teststreifen sind codierfrei.

Kinder mit Diabetes in der Schule

Junge Menschen mit Diabetes erhalten zu wenig soziale und psychologische Unterstützung. Vor allem in der Schule hapert es mit einer guten Betreuung. Bei der DAWN-Youth-Befragung (www.dawnyouth.com) haben 6.700 Menschen – Kinder und Jugendliche mit Diabetes, Eltern und Pfleger – aus acht Ländern einen Fragebogen beantwortet. Erfragt wurden Wünsche und Bedürfnisse in Zusammenhang mit der Erkrankung. Teilgenommen haben außer Deutschland Brasilien, Dänemark, Italien, Japan, Niederlande, Spanien und die USA.

Als ein wesentlicher Schlüsselbereich für künftige Initiativen ergibt sich aus den Ergebnissen: die Schule. Denn neun von zehn diabetischen Kindern haben keine Unterstützung in der Schule. Sechs von zehn Kindern haben ihren Blutzucker in der Schule nicht gut im Griff, gaben Ärzte an. Eltern und jugendliche Diabetiker glauben, dass die Erkrankung Einfluss auf die schulischen Leistungen hat. Als dringende Maßnahmen wurden ermittelt:

– die Verbesserung einer altersentsprechenden Förderung und psychologischen Unterstützung,

– die Verbesserung der eltern- und familienzentrierten Versorgung und Unterstützung und

– mehr Unterstützung durch Gleichaltrige und Netzwerke bei Gruppenaktivitäten und Sozialisierung mit anderen jungen Menschen mit Diabetes.

Verstopfung, Blähungen oder Durchfall

Menschen mit Diabetes haben häufiger Magen-Darm-Probleme als Gesunde. Ursache ist oft eine „autonome Neuropathie“ – eine Störung des Nervensystems, verursacht durch den Diabetes. Magen-Darm-Probleme sollten behandelt werden, wenn sie belasten und länger als vier Wochen auftreten. Die Störungen mindern nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten, sondern können auch dazu führen, dass sich der Blutzucker schlecht einstellen lässt.

Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes als Folge eines Diabetes können in sämtlichen Bereichen auftreten. Typisch sind zum Beispiel Beweglichkeitsstörungen der Speiseröhre, die Schluckstörungen und Sodbrennen verursachen können. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen oder Blähungen sind mögliche Folgen einer Neuropathie, wenn diese die Magenentleerung verlangsamt oder beschleunigt. Zudem leiden Menschen mit Diabetes gehäuft unter Verstopfungen und wiederkehrenden, oft nachts auftretenden Durchfällen.

Treten bei Diabetikern gastrointestinale Probleme auf, sollten zunächst organische Ursachen abgeklärt werden. Bei Menschen mit Diabetes ist außerdem zu beachten, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel ebenfalls die Verdauungsfunktionen beeinträchtigen kann. Funktionsdiagnostische Methoden – beispielsweise ein spezieller Atemtest bei einer Störung der Magenentleerung – können auf eine Neuropathie als Ursache hinweisen.

Wichtig ist ebenso die Ursachenforschung bei Magen-Darm-Erkrankungen, um die geeignete Therapie zu finden. Ist die Neuropathie die Ursache, führt häufig eine verbesserte Einstellung der Blutzuckerwerte zu weniger Beschwerden. Allerdings ist eine gute Blutzuckereinstellung bei solchen Patienten besonders schwierig zu erreichen, weil die gastrointestinalen Störungen selbst die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung und damit den Blutzuckerspiegel beeinflussen.

Ruhepuls zeigt Herzinfarkt-Risiko bei Frauen

Ältere Frauen mit hohem Ruhepuls sind eher von Herzinfarkten betroffen als Frauen mit niedrigem Puls, das ergab eine groß angelegte US-Langzeitstudie. Damit reiht sich der hohe Pulsschlag als ein Risikofaktor neben Rauchen und Diabetes ein.

Die Forscher untersuchten 130.000 Frauen, die die Wechseljahre bereits hinter sich hatten und bei Studienbeginn noch keine Herzprobleme verzeichneten. Sieben Jahre lang wurden bei dieser Beobachtungsgruppe alle Krankenhausaufenthalte registriert und analysiert, sofern sie auf ein Herzproblem zurückgingen. Daneben wurden Puls, Blutdruck und Cholesterinspiegel gemessen sowie der Konsum von Zigaretten und Alkohol registriert. Durchgeführt wurde die Studie vom britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca.

2.281 der Frauen erlitten im Beobachtungszeitraum einen Herzinfarkt oder starben aufgrund einer Herzkrankheit. Rauchen und Diabetes erwiesen sich als deutlichste Risikofaktoren, doch daneben war auch der Pulsschlag in Ruheposition relevant. Frauen mit über 76 Herzschlägen pro Minute waren 1,6 mal häufiger von Infarkten betroffen als diejenigen, deren Puls unter 62 lag. Die Frauen mit hohem Puls hatten tendenziell höhere Werte bei Gewicht, Blutdruck und Cholesterin. Sie rauchten öfter, konsumierten mehr gesättigte Fettsäuren und waren häufiger Diabetiker oder depressiv.

Ein hoher Ruhepuls geht vor allem auf starkes Rauchen zurück. Daneben sind Menschen betroffen, die häufig und schnell in Aufregung geraten sowie Patienten mit Schilddrüsen-Überfunktion, Herzmuskelentzündungen oder diversen Infekten. Die wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkte seien der hohe Blutdruck und ein hoher Cholesterinspiegel, sowie Rauchen und körperliche Inaktivität. Ein Zusammenhang des Pulses mit kardiovaskulärer Sterblichkeit sei jedoch bereits bekannt. Frauen seien bis zur Menopause durch die Östrogene besser vor Herzinfarkten geschützt als Männer. Aufgrund des heute vermehrten Rauchens ist die Infarktrate bei Frauen jedoch angestiegen.

Farbige silikonbeschichtete Lanzetten

Eine sanfte Blutgewinnung ist nur mit sterilen und unbeschädigten Lanzetten möglich. Doch die Realität sieht anders aus: Im Schnitt werden die Einmalprodukte bis zu acht Mal benutzt, bevor sie gewechselt werden. Durch die Wiederverwendung deformiert sich jedoch die vorher glatte Nadel, sie stumpft ab und bildet mikroskopisch kleine Widerhaken. Die Folgen: Der Pieks in den Finger wird unnötig schmerzhaft und die Heilung der Stichwunde verlangsamt. Zusätzlich können die mit kaum sichtbaren Gewebe- und Blutresten verunreinigten Nadeln bei erneuter Verwendung zu Infektionen an der Einstichstelle führen.

Microlet ® Lanzetten (Bayer Vital) in unterschiedlichen Farben sollen Menschen mit Diabetes helfen, an rechtzeitigen Wechsel zu denken. Mit den neuen, farbigen Lanzetten können Menschen mit Diabetes den so wichtigen Lanzettenwechsel nicht mehr vergessen: Für jede Messung oder jeden Tag kann eine andere Farbe zur Blutentnahme gewählt werden, getreu dem Motto „Mein Montag ist grün“. Die ebenfalls neue Silikonbeschichtung der Lanzetten macht den Einstich zusätzlich sanfter und schont die empfindlichen Fingerspitzen. Die farbigen Lanzetten passen in viele gängige Stechhilfen. Auch die Microlet ® 2 Stechhilfe wurde weiter verbessert und liegt mit ihrer ergonomischen Form jetzt noch besser in der Hand.

Diabetes-Selbsttest prüft persönliches Risiko

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Menschen mit erhöhtem Diabetes-Risiko die Krankheit häufig erfolgreich abwehren können, indem sie ihren Lebensstil nachhaltig verändern. Gewichtsreduktion, eine bewusste Ernährung und regelmäßige Bewegung beispielsweise können die Wahrscheinlichkeit, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um bis zu 58 Prozent senken.

Einen einfachen Test, mit dem jeder sein individuelles Risiko ermitteln kann, stellt Bayer deshalb auf der Website www.bayer diabetes.de zur Verfügung. Der von Wissenschaftlern entwickelte so genannte „FINDRISK“-Test ermöglicht sehr einfach durch die Beantwortung von nur acht Fragen eine Einschätzung des individuellen Risikos, in den nächsten zehn Jahren an Diabetes zu erkranken. Der Fragebogen kann auch telefonisch beim Bayer Diabetes Service unter 0800/5088822 bestellt werden.

Rotwein in Maßen ist zu empfehlen

Ein Gläschen in Ehren braucht man auch einem Typ-2-Diabetiker nicht zu verwehren. Täglich ein bis zwei Gläser Rotwein zum Essen hat bei Männern mit Typ-2-Diabetes keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Blutzuckereinstellung.

Das ist das Ergebnis einer sechswöchigen Pilotstudie, der eine zweiwöchige Alkoholkarenz vorausging. Teilgenommen haben 80 männliche Typ-2-Diabetiker von im Schnitt 64 Jahren. Zum Essen tranken sie sechs Wochen lang täglich 300 Milliliter Rotwein. Zu Studienende war der Nüchternblutzucker im Mittel um 4 auf 170,5 mg/dl ( = 9,4 mmol/l) gestiegen und die Fructosaminwerte um 1,8 auf 273,3 µmol/l – beides nicht signifikant. Signifikant veränderten sich dagegen die Spiegel von HDL (+5,3 Prozent auf 51,4 mg/dl), LDL (-1,4 Prozent auf 121,3 mg/dl), Fibrinogen (-5,4 Prozent auf 335,1 mg/dl) und Harnsäure (+3,6 Prozent auf 5,7 mg/dl).